Salvador Cabañas ist wieder bei Bewusstsein
01.02.2010 - Américas Stürmer geht es besser
Paraguays Nationalspieler ist am Samstag aus dem Koma erwacht und sprach erstmals einige Worte. Den Ärzten zufolge ist sein Zustand stabil.
von Matthias Linsenmeier
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Vor genau einer Woche wurde der paraguayische Nationalstürmer Salvador Cabañas in einer exklusiven Bar im Süden von Mexiko-Stadt durch einen Kopfschuss niedergestreckt und in das nächstgelegenen Krankenhaus eingeliefert. Dort rettete man ihm das Leben, wenngleich sein Zustand kritisch blieb. Zudem verblieb die Kugel im Kopf von Cabañas. Seitdem wurde in den internationalen Medien viel über das weitere Schicksal des 29-Jährigen sowie den Tathergang und die –motive spekuliert.
„Chava“, wie der Stürmer in Lateinamerika genannt wird, ist seit dem Wochenende erstmals wieder bei vollem Bewusstsein, nachdem die Ärzte die Schmerzmitteldosis etwas herunterfahren konnte. Das Gehirnödem ist im Verlauf der letzten Woche zurückgegangen, so dass diese Maßnahme möglich wurde.
Erstes Wort: „Ipora“
Als der Starstürmer des C.F. América am Samstag aufwachte, waren neben den behandelnden Ärzten seine Familie, Américas Präsident Michel Bauer und Paraguays Mannschaftsarzt Aldo Martínez anwesend, der den Patienten sogleich in Paraguays zweiter Landessprache Guaraní fragte: „Oí pora?“ (Wie geht es Dir?), woraufhin Cabañas antwortete: „Ipora“ (Es geht mir gut). Anschließend sprach er wohl auch Spanisch. Der Aussage der behandelnden Ärzte zufolge ist es ein Wunder, dass der Stürmer die Attacke überlebt habe, da statistisch gesehen acht von zehn Personen, denen in den Kopf geschossen wird, einen solchen Angriff nicht überleben.
Cabañas kann sich bislang nicht an die Gewalttat erinnern und ist in den Bewegungen seiner linken Körperseite noch etwas eingeschränkt, doch die schnellen Fortschritte im Genesungsprozess stimmen die Ärzte für die nächsten Wochen optimistisch.
Der Täter ist weiterhin flüchtig
Der verdächtige Schütze José Jorge Balderas, der in der exklusiven Bar den Spitznamen „J.J“. hatte, ist nach wie vor noch nicht gefasst und bei einer Durchsuchung seines Wohnsitzes fand man nun anhand von unterschiedlichen Dokumenten heraus, dass der Verdächtige insgesamt mindestens sieben Identitäten besitzt. Man spekuliert sogar über mögliche Verbindungen von Balderas in den Drogenhandel.
Zumindest wurde inzwischen der Tathergang mithilfe von Zeugenaussagen und Videoaufnahmen aus der Überwachungskamera halbwegs konstruiert und wird wohl wie folgt ausgesehen haben.
Als sich Cabañas im Vorraum der Toiletten der Diskothek befand, fragte ihn der Täter, wo denn die Tore blieben, die América für die Meisterschaft brauche. Der Fußballer reagierte irritiert und fragte ihn erst einmal, wer der Fragesteller überhaupt sei, woraufhin Balderas ihm sofort die Waffe an den Kopf hielt.
Cabañas forderte „J.J.“ nun heraus, dass dieser doch schießen möge, wenn er „huevos“ habe, was der Aggressor dann leider auch tat. In der Folge flüchtete er - ohne dabei große Beunruhigung zu zeigen und auch ohne großartig vom Wachpersonal gehindert zu werden - mit dem Auto. Das schwerverletzte Opfer wurde kurze Zeit später vom Wachpersonal in der Toilette aufgefunden.
Entgegen ursprünglicher Mutmaßungen wird ein Raubüberfall also ausgeschlossen, doch ob alleine die Diskussion über „fehlende Tore“ der Auslöser für die Gewalttat war, ist nach wie vor fraglich. Es drängt sich der Eindruck auf als sei dies die versuchte Durchführung eines geplanten Attentats gewesen. Überdies hat América in der abgelaufenen Saison zwar die nationale Meisterschaft verpasst, was jedoch nicht an einer möglichen schlechten Trefferquote des Paraguayers lag. Er erzielte in 18 Saisonspielen zwölf Tore und auch in der aktuellen Saison war er bei zwei Einsätzen bereits zweimal erfolgreich.
Große Welle der Solidarität
Dem Niedergeschossenen wurden aus vielen Ländern zahlreiche Botschaften der Solidarität übermittelt. Unter der Woche veröffentlichten alle mexikanischen Erstligisten auf ihren Homepages Grußbotschaften an Cabañas, in denen ihm eine möglichst schnelle Genesung gewünscht wurde. Außerdem liefen zu den neun Duellen des jüngsten dritten Spieltags des Torneo Bicentenario in der mexikanischen Primera División alle Mannschaften mit großen Grußbannern für Cabañas auf – sein Verein América präsentierte sogar ein eigens designtes Trikot zu diesem Anlass. Auch in seinem Heimatland wurde vielerorts an Cabañas gedacht und für seine baldige Genesung gebetet, da er für viele Fans nach der erfolgreichen WM-Qualifikation ein großer Hoffnungsträger für das sommerliche Turnier war. An eine Rückkehr auf den Platz ist jedoch nach wie vor erst einmal noch nicht zu denken.


