Gewaltproblem in Ecuadors Fussball

16.06.2010 - Wieder wird ein Schiri vermöbelt

Nicht nur in Ecuadors 1. und 2. Liga, wo es auf dem Platz und auf den Rängen regelmäßig zu Zwischenfällen kommt, wird die Gewalt zum Problem; vor allem in der Segunda Categoría geschehen unglaubliche Dinge.

von Dennis Lumme

  • Text
  • Ähnliches

Nicht nur in Ecuadors 1. und 2. Liga, wo es auf dem Platz und auf den Rängen regelmäßig zu Zwischenfällen kommt, wird die Gewalt zum Problem; vor allem in der Segunda Categoría geschehen unglaubliche Dinge....

 

Franco Niell (Dep. Quito) wurde jüngst für eine Ohrfeige 6 Monate gesperrt. Der Trainerstab von Municipal Cañar (Serie B) bekommt ebenfalls 6 Monate weil sie das Schiedsrichtergespann vom Feld in die Kabine jagte und dort vermöbelte. Rangeleien auf den Ränge zwischen Fans verschiedener Lager, Straßenschlachten um das Stadion herum. Fans stürmen erbost das Feld und jagen gegnerische Spieler (oder wahlweise die eigenen) und die Schiedsrichter.

 

Nach diesen Vorkommnissen in der Serie A und B hat die FEF beschlossen nicht nur mehr Polizeipräsenz bei den Spielen einzufordern, sondern sogar das Militär dazuzurufen. Mit harter Hand versucht man nun das Problem auszumärzen.

 

Problematisch ist dabei das ein Großteil der begangenen Gewalttaten auf mehr als schlechte Schiedsrichterleistungen folgte. An eine Reihe von Fehlentscheidungen glauben die meisten Fans nicht und wittern Schiebung. So klagt die Führung von Cañar an, über das ganze Spiel hinweg vom Schiedsrichter benachteiligt worden zu sein, mit teilweise eindeutigen und absichtlichen Fehlentscheidungen. Schwere Vorwürfe, die allerdings in gewisser Weise den Frust und die Ausschreitungen erklären würden.

 

Stehen in der Serie A meißt noch genug Polizei und Ordner zur Verfügung um Platzstürme zu verhindern, ist dies in der Serie B schon schwieriger. Cañar ist da kein Einzelfall. So stürmten bei Rocafuerte auch schon Fans (auch wenn es nur wenige waren) den Platz und bedrängten Spieler und Referees.

 

In der Segunda Categoría, der obersten Amateurliga, ist die Polizeipräsenz quasi null. Bisher passierte kaum etwas bei Spielen in dieser Liga, doch seitdem mehrere Traditionsteams (Aucas, Patria, America, Quevedo, Esmeraldas,...)diese Liga aufwerten und ihr mehr Medienpräsenz verleihen, ist auch hier mehr Pfeffer drinn. Bzw. wird mehr darüber berichtet. Jüngst kam es beim Spiel zwischen Der Uni San Francisco und dem Clan Juvenil in der Regionalmeisterschaft Pichincha zu Ausschreitungen bei denen Fans und Betreuer von Clan Juvenil die Gäste und die Schiedsrichter angriffen. In der Serie A wäre dies unterbunden worden, nach dem fatalen Beispiel von Cañar wird auch in der Serie B eingegriffen, doch in der Amateurliga ist kaum jemand da der einschreiten könnte. Die Gästemannschaften haben meißt kaum eigene Fans dabei und die Polizei stellt selten mehr als ein Dutzend Polizisten.

 

Die Spieler von USF (Uni San Francisco) wurden vom Platz geprügelt und schloßen sich in ihrer Kabine ein. Die freundlichen Offiziellen vom Clan Juvenil untersagten den Gästen das Verlassen des Stadionkomplexes und forderten die Spieler auf, das Spielfeld erneut zu betreten und das Stadion durch den Fanblock des Clan Juvenil (noch gut gefüllt) zu verlassen. Immerhin gesichert durch 2 Beamte! Natürlich weigerten sie sich vor diesem Spießrutenlauf und warteten auf die herbeigerufene Polizei.

 

Vom Clan Juvenil wurden nur 2 medizinische Betreuer als Hauptverdächtige herausgegriffen und beide für stolze 5 Jahre gesperrt. Normalerweise sind Spiele der Segunda nur schwach besucht und fordern somit auch kaum Polizeipräsenz. Doch die Spiele der Traditionsvereine ziehen mehr Leute an, bei Heimspielen kaum ein Problem. Novum ist aber das diese Vereine auch bei Auswärtsspielen große Massen bewegen. So begleiten die Aucas im Schnitt 3500 Fans zu Auswärtsspielen, womit die Heimteams oft überfordert sind und auch nicht organisiert genug sind um die Sicherheit zu gewährleisten. Sofern die kleinen Amateurteams überhaupt ein Sicherheitskonzept haben.

Nicht auszudenken was passieren könnte wenn ein wütender Auswärtsmob von ein paar Tausend Köpfen 2 Sicherheitsbeamten gegenüber steht. Es sind ja auch nicht bestimmte Teams oder Fans die "prophylaktisch observiert" werden könnte. Die brutalen Vorkommnisse passierten nicht bei gut besuchten Partien der Traditionsclubs der Segunda, und berüchtigt sind weder USF noch Clan Juvenil. Ausrasten kann potenziell jeder, im großen und kleinen Rahmen, allein oder im Mob.

Alle Spiele groß zu überwachen ist finanziell nicht möglich, und Einsätze des Militärs könnten kontraproduktiv mehr Gewalt zur Folge haben. Eine Lösung ist weitaus komplizierter und wohl auch unrealistisch. Vielleicht sollte man nicht nur die Fans ins Visier nehmen, sondern auch die Schiedsrichter, und diese beispielsweise besser schulen, besser bezahlen und vielleicht auch besser überwachen.