Viertelfinale: Argentinien - Peru

08.07.2007 - Copa America 2007 - Viertelfinale

Fotos & Bericht vom Viertelfinale Argentinien - Peru im Estadio Metropolitano de Lara in Barquisimeto

von Christian Piarowski

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Als Tourist gibt es nicht viel zu tun in Barquisimeto. Dennoch vergingen die Tage zwischen den Spielen recht schnell mit Müßiggang und Bartouren. Zusammen mit einigen Venezolanern hatten wir in einer Bar das Ausscheiden der Gastgeber verfolgt. Das Aufeinanertreffen mit einem  vermeintlich leichten Gegner, dem zweitbesten Dritten, hatte der Vinotinto ein Wiedersehen mit den Uruguayern beschert. Die Urus, als gutes Turnierteam, hatten sich ein weiteres Mal gesteigert und endlich ihre Abschlussschwäche abgelegt. Mit 4:1 schmissen sie die Gastgerber aus dem Turnier. Das hatte Auswirkungen auf das Publikum beim letzten der Viertelfinalspiele zwischen Argentinien und Peru. All Jene, die schon zuvor das Trikot Argentiniens übergestreift hatten, sollten nun noch intensiver mit der Albiceleste mitfiebern.


Zum Spiel kamen auch einige Peruaner, die wir von den vorigen Spielen kannten, aus Mérida, San Cristóbal und Caracas angereist. Es formierte sich also wieder eine kleine rot-weiße barra.
Ich hatte von Deutschland aus nur Karten für die Gruppenspiele bestellt. Wir mussten also anders an Karten kommen: über den Schwarzmarkt. Natürlich war der "schwarze" Handel mit Tickets auch in Venezuela verboten und dennoch, genau wie zur WM, überall präsent und problemlos möglich. Ein peruanischer Geschäftsmann mit guten Kontakten besorgte uns Karten für einen nicht all zu hohen Aufpreis. Im Stadion platzierte sich die barra auf der flachen Hintertortribüne, obwohl die Karten für einen anderen Block bestimmt waren. Die interessierte zunächst auch niemanden. Kontrollen gab es keine. Erst als der Block fast voll war und ich von meinem kleinen Fotorundgang zurückkam, war der Einlass plötzlich nur für Karteninhaber bestimmt. El Comandante bequatschte den strengen Kontrolleur: Señor, der Gringo gehört zu uns. Der ist extra für die Copa aus Deutschland angereist, der kann kein Spanisch, der ist alleine hier verloren, der muss rein. Ich sollte kurz warten. Als Niemand in der Nähe war, der sich daran hätte stören können, wurde ich durchgewunken.

 

Keine Musikinstrumente erlaubt

In San Cristóbal und Mérida hatten einige Peruaner, aus welchen Gründen auch immer, fast fluchtartig nach den Spielen die Stadien verlassen und dabei ihre Banner zurückgelassen. Wir hatten daher mittlerweile eine kleine Bannersammlung und selbst das hupenartige Instrument war in unseren Händen. Die Banner hängten wir gut sichtbar auf. Beim Auflaufen der Mannschaften wurde eine große peruanische Nationalflagge über den Köpfen der Tribünengäste ausgebreitet. Die barra tobte. Im Laufe des Spiels blieben wir Drei aber überwiegend die einzigen, die die Rot-Weißen anfeuerten. Natürlich waren unsere Rufe wohl kaum auf den anderen Tribünen zu hören, wenn man nicht einmal die 20 Rojos (Independiente) von der Tribüne gegenüber hören konnte. Wohl aber machte das hupenähnliche Instrument einen Höllenlärm und war selbst bis auf die entlegensten Oberränge zu hören, wie uns später berichtet wurde.

 

Vor dem Spiel verkündete der Stadionsprecher, dass Musikinstrumente aller Art verboten seien. Ein gellendes Pfeiffkonzert war der Dank. Als er später noch weitere Male die gleiche Ankündigung machen wollte, ließen die Pfiffe ihn seine Druchsage abbrechen. Niemand nahm daraufhin irgendjemanden seine Instrumente ab. Die Argentinier behielten ihre Trommel und wir unser Wasauchimmer.


Messi fängt mit dem Zaubern an

Die überwiegende Mehrheit im Stadion fieberte mit den Argentiniern.  Die Unterstützung verlief nach dem bereits bekanntem Schema. Die Albiceleste sorgte mit ihrer Spielweise, vor allem in der zweiten Halbzeit aber dafür, dass es im Stadion zu keiner Zeit ruhig wurde und die Welle unaufhörlich über die Tribünen lief. In den ersten 20 Minuten gelang es den Peruanern geschickt, die Argentinier, die mit ihrer Bestbesetzung aufgelaufen waren, in ihren Aktionen zu stören und selbst zu einigen Gelegenheiten zu kommen.

Dann fing Messi an zu zaubern. Pfosten und Glanzparade verhinderten einen Rückstand. Die peruanische seleccion wirkte geschockt, verlor für einige Minuten die Kontrolle und wurde in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Die Peruaner überstanden aber die Drangphase und sammelten sich wieder. Mit hartem Pressing gelang es ihnen, die Partie bis zur Halbzeitpause offen zu gestalten und die Null zu halten.


Eigentlich hatte niemand ernstlich damit gerechnet, dass Peru eine Chance haben sollte. Zu dominant waren die Argentinier in den Spielen zuvor gewesen. Aber mit dem Halbzeitergebnis keimte Hoffnung auf. Je länger die Null stehen würde...doch nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff beendete Riquelme alle Spekulationen. Es folgte ein Offensivfeuerwerk der Argentinier. Messi, Tevez, Riquelme in Topform. Eine grossartige Partie der Albicelescte. Traumhafter Fußball, sehr zur Freude der Zuschauer...abgesehen von der kleinen Gruppe Peruaner. Doch die klare Dominanz der Argentinier konnte niemand abstreiten; auch wenn die Höhe der Niederlage sicher ein wenig schmerzhaft war. Nach dem Spiel feierten die venezolanischen Argentinier ausgelassener als es die venezolanischen Venezolaner nach dem Sieg der Vinotinto in San Cristóbal getan hatten. Verrückt.

 

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Argentinien 4:0 Peru, Estadio Metropolitano, Barquisimeto, Venezuela, 08.07.2007, 18:50, Viertelfinale

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