Mittagspause: Argentina - Nigeria

25.06.2014 - WM in Buenos Aires

Impressionen aus Buenos Aires vom WM-Spiel Argentinien - Nigeria.

von Christian Piarowski

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Mittwoch, 12:00Uhr. Die Florida, die längste Einkaufsmeile im Herzen von Buenos Aires, ist belebt wie immer. 60 Minuten vor Anpfiff des WM-Spiels Argentinien - Nigeria ist nichts von Fußballfieber zu spüren. Knapp 45 Minuten später tauchen aber plötzlich einige blau-weiß bemalte Gesichter auf und jeder scheint es aufeinmal etwas eiliger zu haben. Leute huschen über die Straßen, schlüpfen in Restaurants oder überqueren eiligen Schrittes die Plaza San Martín. Dort gibt es Public Viewing. Mit Anpfiff ist es auf den Straßen dann ungewöhnlich ruhig. Aber nein, wie ausgestorben ist die Stadt nicht. Es gibt sie, die Argentinier, denen die WM völlig gleichgültig ist, die ihren Alltag ungerührt nachgehen.

 

Der Rest aber sitzt oder steht allerortens, wo es einen Fernseher gibt. Vor Schaufenstern, Riesenleinwänden oder uralten, winzigen Geräten im kleinen Tante-Emma-Laden, der Lottoannahmestelle, im Kiosk, im Büro oder beim Bäcker. Doch die meisten verbinden Mittagszeit und WM. Schon vorher hatten sie sich Plätze in Restaurants reserviert, die nun aus allen Nähten platzen. Restaurants, die keinen Fernseher haben oder die WM nicht zeigen wollen, bemerken den Kundenschwund. So etwa die Pizzeria Güerrin auf der Corrientes, die normalerweise jeden Tag mittags und abends brechend voll ist. Nur drei Tische sind heute besetzt, während bei der Konkurrenz Hochbetrieb herrscht. Doch eine wilde Party löst das Ganze nicht aus. Dazu ist das Spiel zu unwichtig und bereitet eher Sorgen als Euphorie mit Blick auf die nächsten Runden. Außerdem ist Arbeitstag. Nach Abpfiff kehrt die Stadt schnell wieder in den Alltag zurück. Rollläden öffnen sich, das Leben nimmt seinen normalen Lauf wieder auf und nur wenige Fans treffen sich am Obelisken, wo für gewöhnlich die Triumphe gefeiert werden.