Doppelpack III: Kolumbien - USA & Argentinien - Paraguay

05.07.2007 - Copa America 2007 - Gruppe C

Fotos & Bericht von den Spielen Kolumbien - USA & Argentinien - Paraguay im Estadio Metropolitano de Lara in Barquisimeto, 3. Spltg. der Gruppe C

von Christian Piarowski

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Barquisimeto ist eine moderne Stadt im Nordwesten Venezuelas. Im historischen Zentrum wurden eigens für die Copa die wenigen kolonialen Häuserzeilen fein herausgeputzt. Man konnte noch die Farbkleckse auf den Gehwegen sehen. Ansonsten ist das Zentrum tagsüber geschäftig; nachts aber düster und unsicher. In den schicken Vierteln der upper clase kann das Nachtleben dagegen zu einem teuren Vergnügen werden.


Für die Spiele hatte ich ebenfalls eine Karte im Internet bestellt. Es hieß also mal wieder Schlange stehen. Die Ticketcenter befanden sich am Baseballstadion. Die Organisation war dort aber deutlich besser als in den beiden zuvor besuchten Spielorten. Es gab mehere Fenster, die jeweils nach den Bestellnummern eingeteilt waren. So rückten die kurzen Reihen Wartender relativ zügig voran. Drei vor mir Stehende wurden aber trotz gültigem Voucher vertröstet. Es gäbe keine Karten mehr oder der Name könne nicht gefunden werden, so hieß es. Man könne im Büro reklamieren und dort sein Geld zurückbekommen - dort bildete sich bereits eine nicht gerade kurze Schlange. Lange Gesichter, mal wieder, denn die Leute wollten nicht das Geld, sondern die Spiele sehen. Als ich dran war, legte ich mein Voucher vor und nach einigen Minuten streckte man mir nicht, wie gewohnt, einen Umschlag, sondern eine lose Eintrittskarte entgegen. Ich versuchte mein Glück: Wo denn die zweite Karte sei? Aber señor, hier steht sie haben nur ein Ticket bestellt. Tja, keine Ahnung warum das dort steht, ich bekomme jedenfalls immer zwei! Aber, äh, aber sie haben doch.... Nun gut, ich beendete die Unverschähmtheit, schließlich hatte ich in der Tat immer nur für ein Ticket bezahlt. Außerdem hatte ich offensichtlich meine Karte lediglich bekommen, da ich Ausländer war. Nun musste ich "Salvaje" vertrösten, der auf "seinen Anteil" gehofft hatte.

 

Seit San Cristóbal reisten wir zu dritt. Der Neue im Bunde: "Comandante", ebenfalls Peruaner, passionierter Komiker und Sänger. Die Beiden beschlossen, auf die letzten Spiele der Gruppe C zu verzichten und das Geld für Schwarzmarkttickets zu sparen, da ihnen die Viertelfinalpartie Perus wichtiger war. Ich machte mich also allein auf den Weg ins Stadion. Vom Baseballstadion gab es einen kostenfreien Shuttleservice für Ticketinhaber. Klasse, denn das Estadio Metropolitano de Fútbol de Lara (40.300 Zuschauer) lag ziemlich weit außerhalb der Stadt und eine Taxifahrt wäre äußerst kostspielig gewesen. Das Stadion war eigens für die Copa gebaut worden. Es ist ein reines Fussballstadion mit steilen Tribünen, nach europäsichem Vorbild. Doch aufgrund wochenlanger, heftiger Regenfälle während der Bauphase, konnte es leider nicht vollständig zur Copa fertiggestellt werden. Es fehlten ein Dach über einer Hintertortribüne, die Außenfassade und einige Oberränge. Nicht nur die nackten Pfeiler sorgten dafür, dass das Stadion einer Baustelle glich, sondern auch allerhand herumliegender Bauschutt und Werkzeuge. Der Einlass aber war gut organisert und man gelangte zügig ins Stadioninnere.


Sowohl die USA als auch Kolumbien waren vor der Partie bereits ausgeschieden; es ging also nur noch um die Ehre. Die USA, die neben Mexiko zu der Südamerikameisterschaft eingeladen worden waren, hatten nur wenige Tage vor Beginn der Copa América die Copa de Oro, das Turnier der Concacaf (Nord-und Zentralmerikaverband) gewonnen. Im Finale vor heimischen Publikum in Chicago hatten sie Mexiko mit 2:1 bezwungen. Nach Südamerika waren die USA nun lediglich mit einem Team von Reservespielern angreist. Gegen Argentinien und Paraguay hatte es in den beiden ersten Gruppenspielen hohe Niederlagen gegeben. Letzteres galt auch für Kolumbien.

Die Zuschauer, die bereits zahlreich zur ersten Begenung gekommen waren, unterstützten beide Mannschaften gleichermaßen mit fairem Applause bei gelungen Aktionen. Was ein wenig überraschte, wenn man an die schwierigen Beziehungen auf politischer Ebene zwischen Venezuela und den USA und, etwas weniger eklatant, zu Kolumbien bedachte. Beide Teams spielten schnellen, technisch feinen Fußball, frei von Verbissenheit und Kampf. Insgesamt hatte Kolumbien die bessere Spielanlage und kam häufiger vor das Tor der US-Amerikaner. Der 1:0 Sieg ging daher völlig in Ordnung und hätte durchaus höher ausfallen können. Nach dem Spiel wurden beide Teams mit Applause verabschiedet. Für Kolumbien war der Beifall deutlich lauter.


Während des Spiels hatte sich eine Gruppe Argentiner hinter den Tribünen mit Gesängen auf das Spiel eingestimmt und sollte jetzt, angeführt vom sonoren Klang einer mächtigen Trommel, ins Stadioninnere kommen. Das waren die echten Argentinier. Denn obwohl auf den Rängen tausende von himmelblau-weißen Trikots zu sehen waren, waren deren Träger überwiegend Venezolaner. Die Vinotinto hatte vor der Copa nur eine kleine Anhängerschaft. Die Mehrheit der Fußballbegeisterten im Lande sympatisierte entweder mit Brasilien oder Argentinien. Mehrfach wurde mir erzählt, dass selbst bei der WM-Quali, bei Spielen gegen diese beiden Nationen, die meisten Zuschauer für die Gäste seien. Auf Vereinsebene sind Real Madrid und F.C. Barcelona populärer als lokale Klubs. "Echte" Argentinier waren nur sehr wenige angereist. Die größte geschlossene Gruppe bildeten etwa 20 Fans von Independiente. Sie sollten die 90 Minuten durchsingen; ganz wie sie es von daheim gewohnt sind.

 

Ich war ein wenig enttäsucht, nur einen minimalen Bruchtteil der argentinischen Anhängerschaft vorzufinden, die noch bei der WM zusehen waren und für die Tausende die Kosten nicht gescheut hatten. Copa-erfahrene Südamerikaner erklärten mir, dass dies für die Südamerikameisterschaft durchaus typisch sei. Die mit Abstand meisten Zuschauer seien Einheimische der Gastgebernation. Die Stimmung bei beiden Spielen war (im Vergleich zu Mérida) recht gut. Die Enge des Stadions sorgte für einen deutlich höheren Lärmpegel. Dennoch lebte die Atmosphäre vor allem von den bereits bekannten Zutaten: Applause, La Ola und politische Gesänge. Auch hier ausschließlich gegen die Regierung. Während der ersten Partie sorgte ein gelber Fleck Kolumbianer gelegentlich für Abwechslung. In der zweiten Begegnung schallte häufiger ein Argentina! von den Rängen.

 

Argentinien und Paraguay, beide bereits qualifiziert, spielten in dieser Partie den Gruppensieg aus, schonten aber dennoch ihre Stars. Paraguay hatte in den ersten beiden Begegnungen überraschend offensiv gespielt und zahlreiche Tore geschossen. Ganz anders also, als man es von den Guaranis von den WM-Spielen gewohnt war. Gegen Argentinien setzte der Coach aber wieder auf die gewohnte Taktik mit dichten Abwehrreihen und schnellen Konterspielern. Argentinien dominierte das Spiel von Beginn an. Die Albiceleste hatte bis dahin den besten Fußball im Turnier gezeigt und selbst mit der Reserveelf gelang ihnen eine beeindruckende Partie. Lediglich die Stürmer hatten Probleme mit der robusten und konzentrierten Abwehr der Paraguayer.

 

Das Publikum verlangt nach Messi

In der zweiten Halbzeit forderte das Publikum lautstark die Einwechslung eines Spielers: Messi! Messi! hallte es von den Tribünen. Der Jungstar von Barca hatte in den beiden Partien zuvor etliche Kunstücke gezeigt und war bis dato neben Robinho Spieler des Turniers. "Coco" Basile, der Coach Argentiniens, kam dem Wunsch der Gastgeber bald nach und wechelte den Wunderstürmer ein. Das Publikum tobte und war glücklich. Mädchen kreischten, Messi zauberte und wirbelte die gegnerischen Abwerhreihen durcheinander. Ein Tor war ihm nicht vergönnt. Dennoch war es seiner Einwechslung zu verdanken, dass es den Argentiniern schließlich doch noch gelingen sollte, die Abwehr der Guaranis zu knacken. Mit dem Sieg sicherte sich die Albiceleste den Gruppensieg und konnte sich vor dem nächsten Spiel eine anstrengende Reise ersparen.

 

Ich fand letztlich zwar nicht die erhoffte Fussballstimmung wie in argentinschen Stadien, hatte aber dennoch einen netten Fussballnachmittag/abend mit entspanntem, feierfreudigen Publikum. Der shuttle service zurück in die Stadt funktionierte reibungslos; lediglich ein paar Baulöcher auf schwach beleuchteten Wegen wurden übersehen.

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Kolumbien 1:0 USA & Argentinien 1:0 Paraguay, Estadio Metropolitano, Barquisimeto, Venezuela, 05.07.2007, 18:35 & 20:50, Gruppe C, 3. Spltg.

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