Ausgerechnet Peru!

09.10.2009 - WM-Qualifikation

Argentinien steht vor zwei entscheidenden Duellen. Es geht nicht nur um die Quali zur WM, nein, auch Diegos Ruf steht auf dem Spiel. Ein Vorbericht.

von Christian Piarowski

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"Ich weiß nicht, ob ich weitermache." Dieser Satz von Diego Armando Maradona schlug unter der Woche ein wie eine Bombe. Der impulsive Nationaltrainer Argentiniens war sich wohl kaum darüber im Klaren, welchen Wirbel seine Worte auslösen konnten. Nur wenige Stunden später, als die Nachricht bereits über alle News-Ticker ging, ruderte Maradona zurück. Die Kameras waren bereits abgebaut, als er einigen Journalisten ins Mikrophon korrigierte, dass er natürlich weitermachen werde, doch ändern werde sich was.

 

Bereits 78 Spieler nominiert

Die gleiche Konzeptlosigkeit dieser Anekdote, ist symptomatisch für das Handeln von "el diez", der ewigen Nummer "10" im Land am La Plata-Fluss. Seitdem Maradona die Nachfolge von Coco Basile antrat, bringt jede Nominierung neue Spieler in die Auswahlmannschaft. Bereits 78! Spieler liefen in der einjährigen Amtszeit Maradonas für die "Seleccion" auf.

 

Zum einen kommt diese unglaubliche Zahl auch aufgrund einiger Freundschaftsspiele zustande, die ausschließlich mit Spielern bestritten wurden, die in Argentinien aktiv sind. Doch auch die Namen der argentinischen Europalegionäre ändern sich mit jeder Nominierung. Selbst bei einer Fußballmacht, die über eine Vielzahl an Ausnahmespielern verfügt, kann so kein eingespieltes Team entstehen.

 

Die fast zwangsläufige Folge: Zwei Spieltage vor Ende des weltweiten längsten WM-Qualifikationsturniers stehen die Argentinier auf Platz Fünf. Dieser berechtigt zwar zur Relegation gegen einen Vertrete aus Nord- und Zentralamerika, doch zu Platz acht sind es nur gerade zwei Pünktchen. Als Basile seinen Rücktritt erklären musste, stand Argentinien auf Platz 3 mit vier Punkten auf Rang 5!

 

Die Kritik wächst

Maradonas gottgleicher Status, dem weder Kokain-Skandale noch peinliche Talk-Shows etwas anhaben konnten, droht nicht nur zu schwinden, er ist längst hinüber. Die argentinische Presse, anfangs mit Kritik zurückzuhaltend, kritisiert "el diez" mittlerweile offen. Maradonas reagiert trotzig und wirkt dabei wie ein kleiner bockiger Junge und fährt die Presse schon mal grundlos an, wie zuletzt nach der Pleite in Paraguay.

 

Auch bei den Spielern macht sich Skepsis breit, Riquelme machte den Anfang und ging. Mittlerweile heisst es aus dem Umfeld sogar, dass der Coach seine Kicker nicht mehr erreiche. Bei Trainingseinheiten wirkt Diego derzeit abwesend, gibt kaum Anweisungen. Nach der 0:1 Niederlage in Paraguay berichteten Gegenspieler, die argentinische Mannschaft sei tot, es werde untereinander kaum gesprochen.

 

Machtkämpfe

Zudem verstrickt sich Maradona ausgerechnet vor den wichtigen letzten Spielen in Machtkämpfe. Das Verhältnis zu seinem Team-Manager Carlos Bilardo gilt als zerrüttet, auch wenn Bilardo Gegenteiliges behauptet. Maradona zeigte sich angefressen, als Bilardo in seiner Abwesenheit, die Nominierung für ein Freundschaftsspiel gegen Ghana eigenmächtig vornehmen wollte. Auch mit dem oberen allmächtigen Verbandschef Grondona, hat er sich angelegt, geht aber mit diesem mittlerweile wieder auf Schmusekurs. Wenn er Bilardo raus haben aus dem Team, brauch Maradona das OK von "Don Julio". Dass dieser wiederum Maradona vorzeitig entlässt, nahezu ausgeschlossen. Der Monarch sagt selbst, dass er nicht für Wechsel sei, er sei schleißlich auch bereits seit 30 Jahren mit derselben Frau zusammen.

 

Nicht schon wieder Peru!

Die Situation ist schwierig, da kommt der nächste Gegner gerade recht. Peru, das "häßliche Entlein" der Südamerikaqualifikation, Tabellenletzter, nur magere neun Törchen erzielt. Doch nein! Ausgerechnet Peru! Vor 40 Jahren trennte man sich in der Bombonera mit 2:2, Peru fuhr zur WM nach Mexiko, die Argentinier blieben daheim. Es war das einzige Mal, dass Argentinien in einer WM-Qualifikation scheiterte.

 

Im Kader für die beiden Spiele gegen die Peruaner und am Mittwoch in Montevideo gegen Uruguay, stehen, mal wieder, einige Neulinge in Diegos Amtszeit. Die größte Überraschung dabei ist sicher die Rückkehr von Pablo Aimar, um den es in der Vergangenheit still geworden war. Fast zwangsläufig, da überfällig dagegen die Nominierung von Higuain von Real Madrid. Die letzten Trainingseinheiten zeigen, dass sie zusammen mit Messi das Offensiv-Trio bilden könnten, auch wenn sie in der Vergangenheit nie zusammen gespielt haben.

 

Martin Eisenschädel

Wieder einmal probiert also Maradona etwas Neues, aber wenn alles schief geht, gibt es da ja noch den 35-jährigen Martin Palermo. Der erzielte gegen Ghana beide Tore und traf am vergangenen Sonntag für seine Boca Juniors zum 3:2 Siegtreffer gegen den amtierenden Meister Velez Sarsfield - und zwar mit dem Kopf aus 39 Metern!