Robinho zurück zu Santos

29.01.2010 - Heimkehrwelle der Europalegionäre hält an

Robinho kehrt heim zum Santos FC. "O Rei das Pedaladas" kommt für ein halbes Jahr auf Leihbasis. Seinem neuen, alten Klub kostet der Stürmer nur "ganz wenig".

von Christian Piarowski

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Robinho kehrt heim zu seinem Stammverein Santos FC. "O Rei das Pedaladas" (Der König der Übersteiger) kommt für ein halbes Jahr auf Leihbasis von Man City. Der 26-Jährige war dort unter Coach Roberto Mancini zuletzt nur Reservespieler und fürchtete um seine WM-Chance. Bei Santos, wo er einst zusammen mit dem Ex-Bremer Diego die Fans verzauberte und zweimal brasilianischer Meister wurde, hofft er wieder zu alter Form zu finden und den Sprung in den Kader für Südafrika zu schaffen.

 

Dass er sich dafür ausgerechnet in Brasilien anbieten will, wird bereits als Symbol einer verkorksten Karriere angesehen. Denn dort läuft derzeit noch nicht einmal die landesweite Liga, sondern lediglich die Regionalmeisterschaften. Diese sind unter den Fans zwar durchaus populär, haben aber insgesamt nicht das gleiche Niveau wie die brasilianische Serie A und diese hätte wiederum nicht die Klasse der europäischen Top-Ligen. Aber das will im Grunde nichts heißen, denn auch Adriano hat es über den Umweg Brasilien wieder zurück in die Selecao geschafft. Der "Imperador" hat seine Flucht von Inter Mailand nicht bereut, wurde letzte Saison Torschützenkönig und scheint sein Glück bei Flamengo gefunden zu haben.

 

Den Russen irgendeine traurige Geschichte erzählen

Vor Adriano war bereits Ronaldo heimgekehrt, erst bei Flamengo im Training dann plötzlich bei Corinthians unter Vertrag. Die beiden ehemaligen Superstars lösten im letzten Jahr eine wahre Heimkehrwelle unter den brasilianischen Europalegionären aus. Emerson, Marcelinho, Edu, Gilberto und Sylvinho sind da nur einige Namen. Zwar haben vor ihnen schon immer altgediente Nationalspieler ihre Karriere in der Heimat ausklingen lassen, wie zum Beispiel Romario, doch typisch ist das nicht. Zudem befinden sich in den Kadern der Top-Klubs derzeit auch Spieler, die noch längst nicht an ein Karrierende denken und die noch ohne Probleme einen Verein in Europa gefunden hätten. Bekannteste Beispiele sind Flamengos Vagner Love, Fluminenses Fred oder Gremios Rochemback. Nationalspieler Vagner Love ist von seinem Lieblingsverein Flamengo derat angetan, dass er bereits ankündigte, "Irgendeine traurige Geschichte zu erzählen, um das Herz der Russen zu erweichen", wenn im Mai die Rückkehr zu ZSKA Moskau ansteht, wo er noch unter Vertrag ist.

 

Nun mag man einwenden, all diese Spieler haben bereits reichlich Geld verdient, seien satt, hätten es in der Fremde nicht geschafft und haben daher driftige Gründe heimzukehren, jedoch trifft dies nur einen Teil der Wahrheit. Denn keiner der Kicker würde, allen Liebesschwüren zum Trotz, lediglich für nen "Appel & Ei" in Brasilien spielen. Fakt ist viel mehr, das bekannte Namen mittlerweile in Brasilien recht gut verdienen können. Sonst würde Roberto Carlos bei Santos im Dienst stehen und nicht bei Corinthians. Schließlich hatte der 36-Jährige immer betont, dass, sollte er sein Karriere in Brasilien beenden, er dies nur bei seinem Lieblingsverein Santos täte. Als beide Seiten in Verhandlungen standen, betonte er noch einmal, dass für den Pele-Klub zu spielen ein Kindheitstraum sei. Als Ronaldo seinem alten Freund jedoch von den tollen Verdientsmöglichkeiten bei Corinthians überzeugte, war davon keine Rede mehr. Der neben Flamengo populärste Verein des Landes will seinen Fans pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum im September diesen Jahres einen Superkader präsentieren und lässt sich dies einiges kosten.

 

Nur 60.000 für Robinho

Auch Santos scheint für Robinho an die finanzielle Schmerzgrenze zu gehen. Manchester City bestätigte, dass der Pele-Klub das Gehalt des 26-Jährigen übernehme, inklusive der Prämien. Und das dürfte die eigentliche Sensation an der Meldung sein, schließlich gehörte Robinho mit geschätzten 9,6 Millionen Euro Jahresgehalt selbst in der Premier-League zu den absoluten Top-Verdienern.

 

Wie kann sich Santos dies leisten? Zunächst verzichtet Robinho auf einen Teil seines Gehaltes. Dann sollen Spieler wie Rodrigo Souto gehen, möglichst mit hoher Ablöse. Desweiteren werden die Vertragskosten aus den Marketing- und Sponsoreneinnhamen gedeckt. Allein durch die Ankündigung des Transfers stiegen die Angebote von potentiellen Werbepartnern - ins Jahr 2010 war der Verein nach den dürftigen letzten Spielzeiten noch ohne Sponsor gegangen. Laut Vereinspräsident Luis Alvaro de Oliveira Ribeiro zahlt Santos am Ende "nur einen ganz kleinen Teil" des Gehalts, nämlich etwa 60.000 Euro im Monat, die Gehaltsobergrenze des Klubs. Eine Sponsorengruppe zahlt den Rest und bekommt die Vermarktungsrechte an Robinho, auf den somit zahlreiche Werbesports zukommen dürften. Weitere Einahmen generieren sich durch den Verkauf der Trikots. (Obwohl die offizielle Präsentation erst für den kommenden Montag geplant ist, sind bereits Trikots mit der Nummer 7 erhältlich.)

 

Der Schriftzug über Allerwertesten bringt Ronaldos Gehalt

Ähnlich bezahlt auch Corinthians die Gehälter von Ronaldo und Roberto Carlos. So erhält Ronaldo neben einem Grundgehalt 80 Prozent der Einahmen aus der Werbung, die auf Trikotärmel und Hosen des Vereins zu sehen ist. Dadurch soll der WM-Torschützenkönig von 2002 auf ein Jahresgehalt von über fünf Millionen Euro kommen. Der Verdienst von Roberto Carlos dürfte einen ähnlichen Wert erreichen und finanziert sich zum Teil direkt anhand des Erlöses aus dem Merchandising. Damit dieser in den nächsten Wochen so recht auf Hochtouren kommt, will sich die Kreativabteilung des Timão eigens "RC"-Produkte einfallen lassen.

 

Von den großen Namen bei den Traditionsvereinen profitert die gesamte Liga, da die weltweite Aufmerksamkeit steigt und das Interesse von Sponsoren weckt. Dass in der Liga derzeit relativ viel Geld bewegt wird, ist auch dem nationalen Wirtschaftssystem zu verdanken. Die größtenteils verstaatlichte und streng protektionierte Wirtschaft hat dazu geführt, dass Brasilien weniger von der Wirtschaftkrise getroffen wurde, als etwa die Nachbarländer oder die USA. Brasilien ist der Wirtschaftsmotor Südamerikas und die Serie A so etwas wie die Premier League des Kontinents.

 

Kommt Zico als Trainer?

Nicht nur bekannte Spieler kehren in die Liga zurück, sie wird auch für Trainerstars interessant. Carlos Alberto Parreira und Vanderlei Luxemburgo (derzeit Atletico Mineiro) haben in der Vergangenheit zwischen ihre Jobs als Nationaltrainer bereits häufiger Station in Brasilien gemacht, nun überlegt auch Zico, wieder ein Traineramt in seiner Heimat zu übernehmen.

 

Doch auch wenn nun etliche bekannte Spieler den Weg zurück in die Heimat gegangen sind, wird Brasilien auch weiterhin der größte Exporteur von Fußballspielern weltweit bleiben. Über 1.000 brasilianische Kicker sind derzeit im Ausland unterwegs und der Traum von Europa ist weiterhin der größte Anreiz zahlloser Talente. Junge Spieler, die vor dem Sprung ins Ausland stehen, können von der Erfahrung der Heimkehrer aber nur profitieren und lassen sich vielleicht nicht mehr von jeder Offerte den Kopf verdrehen.

 

So geschehen mit Arthur Maia. Der 17-Jährige steht auf den Wunschzetteln von Barcelona und Man City entschied sich aber dafür bei Vitoria zu bleiben. Im Zuge des Ausleihgeschäftes sicherten sich die Citizens jedoch das Vorverkaufsrecht an Santos-Talent Neymar.