Wie auch immer: Barracas Central - Quilmes

21.12.2021 - Primera Nacional

Barracas Central setzt sich im Finale gegen Quilmes durch und kehrt nach 87 Jahren in die 1. Liga zurück

von Christian Piarowski

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Quilmes und Barracas Central trafen im Stadion von Racing aufeinander, um den nach Tigre 2. Aufsteiger in die Liga Profesional zu ermitteln. Damit standen sich die beiden Teams gegenüber, die in der regulären Saisonphase und der folgenden Aufstiegsrunde am häufigsten von Schirientscheidungen, insbesondere Elfmetersituation profitiert hatten. So war unter anderem Quilmes im Halbfinalrückspiel gegen Ferro ein mehr als schmeichelhafter Elfmeter zugesprochen worden, für den sich sogar der Schiri später entschuldigte. Doch wie auch immer, VAR gab es in der 2. Liga in der Saison 2021 nicht und wer am Ende ins Finale einzieht, wird sich das irgendwie verdient haben.

 

Fußballerisch waren beide zwar nicht die Glanzlichter der Saison gewesen, aber die Ergebnisse stimmten. Um es kurz zu machen: Auch das Finale sollte spielerische Magerkost auf dem Rasen bieten und am Ende mussten die Elfmeter herhalten. Dabei hatte Barracas Central das bessere Ende. Jenes Barracas Central, dass sich vor drei Jahren noch über 1000 Zuschauer bei Spitzenspielen freute. Und das es an diesem Tag irgendwie schaffte, noch mehr Fans zusammenzutrommeln als im ersten Finale gegen Tigre. Das mag sicher an der im Barrio entfachten Euphorie gelegen haben. Nur Neider hören auf jene Stimmen, die behaupten, man hätte Leute aus der nahen Villa und aus einigen Gewerkschaften herangefahren und mit Tickets ausgestattet, damit man mit der Hinchada von Quilmes auf Augenhöhe sei. Denn klar, dass Quilmes, ähnlich wie zuvor Tigre, sein Kartenkontingent ausschöpfen und irgendwie dieses gar überbieten würde, war angesichts der großen, treuen Fanszene nicht anders zu erwarten gewesen.

 

Wie auch immer sich die neuen Fans der Rot-Weißen rekrutiert haben mögen, es wurde somit auf den Rängen das maue Fußballerlebnis auf dem Rasen ausgeglichen. Zu Beginn wurden kontrolliert vor den Kurven Rauchtöpfe in den jeweiligen Farben gezündet, was vom Verband organisiert war, (Quilmes hatte aber etwas eigenes Zeug dabei) und die Gesänge waren beim Aufläufen schön laut und euphorisch. Auch in den übrigen 90 Minuten gab es nichts zu beanstanden, mal war die eine Seite lauter mal die andere, mal war auf beiden die Anspannung zu merken, mal ließen beide gleichzeitig die Sau raus.


Ein bisschen weniger angespannt wirkten dabei die Fans von Barracas, fast so, als sei ihnen das Ergebnis nicht ganz so wichtig und man sei eh nur zum Partymachen da. Aber das mag Einbildung gewesen sein. Nicht ganz so sehr Einbildung ist, dass am Ende der Verein des amtierenden AFA-Bosses Chiqui Tapia nach 87 Jahren den Weg zurück in die 1. Liga gefunden hat. Dort wird er zwar nicht im eigenen nach eben jenem Tapia benannten Stadion spielen können, sondern beim Nachbarn Huracán. Doch das dürfte im Familienklub weder den amtierenden 26-Jährigen Vereinspräsidenten Matías Tapia, Sohn von „Chiqui“, noch dessen Bruder und Mannschaftskapitän Iván Tapia (22) stören.

 

Sicher einmalig eine derartige Familienkombination in einem Erstligaverein, der obendrein den Aufstieg unter Federführung von Rodolfo De Paoli schaffte, der vor seiner Trainerkarriere als Sportjournalist aktiv war. Eigentlich eine schöne Story, wären da nicht die unzähligen Gerüchte über verschobene Spiele, ja selbst über versuchte Bestechung gegnerischer Teams wie am letzten Spieltag gegen Villa Dalmine. Auch dass mit Tigre und Barracas zwei Vereine aufgestiegen sind, die beim Machtkampf zwischen AFA-Boss und Marcelos Tinelli, dem Chef der Liga Profesional, definitiv für Ersteren stimmen (und Quilmes hätte es auch), hilft nicht grade, Gerüchte einzudämmen.


Doch wie auch immer, wer am Ende Erfolg hat, wird sich diesen schon verdient haben, irgendwie.

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Barracas Central 0:0 (5:4 i.E.) Quilmes, Estadio Presidente Perón, Avellaneda (Prov. de BsAs, GBA Sur), Dienstag, 21.12.2021, 20:10, Finale Torneo Reducido (Aufstiegsrunde), Primera Nacional 2021 - Barracas kehrt nach 87 Jahren in die 1. Liga zurück

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