Titelkampf: Independiente - Atlético (PSC)

20.05.2018 - Liga de Fútbol Centro de Santa Cruz

In Puerto San Julian kämpften Independiente und Atlético aus Puerto Santa Cruz um die Meisterschaft. Fotos + Bericht

von Christian Piarowski

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Der letzte Spieltag in der Liga de Fútbol Centro de Santa Cruz stand an und dank des Spielplans war es zu einem echten Finale gekommen. Denn mit Independiente aus Puerto San Julian und Atlético aus Puerto Santa Cruz standen sich die beiden einzigen Teams gegenüber, die nach neun Spieltagen noch Chancen auf den Titel hatten.

 

Man konnte meinen, dass das vielleicht gar nicht so zufällig zustande gekommen war, schließlich waren beide Vereine in den letzten Jahren die sportlich erfolgreichsten. Denn egal, wer an diesem Nachmittag sich die Trophäe schnappen sollte, von den sechs Meistertitel der letzten drei Jahre würden insgesamt fünf eben an diese beiden gehen. Nur einmal, im letzten Turnier, konnte Sportivo Santa Cruz dazwischenfunken.

Überhaupt teilen sich die beiden Vereine aus Puerto Santa Cruz unangefochten die vorderen Plätze der Titelträger, mit Atlético als Rekordsieger bei 15 Meisterschaften seit 1968, dem Gründungsjahr der Liga, gefolgt von Sportivo (12), Racing (7) und eben Independiente mit fünf Titeln vor diesem Spiel. (Wobei anzumerken ist, dass aufgrund wechselnder Modi, nur in den wenigsten Jahren wie aktuell zwei Meisterschaften ausgetragen wurden.)

 

Der letzte Meisterschaftsgewinn Independientes lag mit der Clausura 2016 allerdings gerade erst eineinhalb Jahre zurück. Davor jedoch hatten die Fans der Rot-Schwarzen richtig lange auf einen Meisterschaftsgewinn warten müssen, denn der vierte Titel gelang im Jahr 1977.

 

Dies sei auch der Grund, warum sich die Barra, also der harte Kern der Fans, den Namen La 77 gegeben habe, hieß es. Eine andere Erklärung könnte eine Affinität zur Punk-Band Ataque 77 sein, die Ende der 90er mit ihre größten Hits hatte. Puerto San Julian gilt in der Prominenz Santa Cruz als eine Art Hochburg der Punkbewegung.

 

Wie auch immer, die Jungs der La 77 hatten in der Vorwoche beim Strohalmspiel bereits für einen entsprechenden Rahmen gesorgt, und es war davon auszugehen, dass dies nochmal getoppt werden sollte. Zumindest floss unter der Woche die Vorfreude bei den Protagonisten aus allen Poren. Am Freitag startet der Verein einen Kartenvorverkauf, etwas, wozu es sonst nur selten Anlass gibt. Leider meinte auch die lokale Polizei, anders als in sieben Tage zuvor, einen wichtige Rolle spielen zu müssen.

 

So wurde erst am späten Samstagnachmittag das Spiel kurzerhand um eine halbe Stunde auf 15:00 Uhr vorverlegt. Zudem wurde gar das Spiel der Reserve abgesagt, durch welche für gewöhnlich der Anpfiff in der Regel nie pünktlich erfolgte, so in der Vorwoche etwa erst 15:50. Diese Änderung bekamen natürlich nicht alle Interessierten rechtzeitig mit, trotz diverser Posts auf der Facebookseite des Vereins. Dadurch war das Estadio Juan Panópulos beim Auflaufen der Mannschaften nicht so gut gefüllt, wie es wenig später sein sollte, Das Knallen der Feuerwerkskörper und der Geruch nach Rauchfackeln, der durch sich über das Stadtzentrum legte, sollte aber spätestens dann die Uninformierten zur Eile bitten.

 

Darüber hinaus wurden alle Zuschauer genauestens gefilzt, die Raketen durften nur außerhalb des Stadions gezündet werden und Rauch mit Vorsicht, solle doch niemand sagen, die Polizei habe sich keine Gedanken gemacht. In der Halbzeitpause wurde der Barra-Chef nochmal zum persönlichen Gespräch mit dem Operationsleiter gebeten. Dabei benahmen sich die Jungs vorbildlich, sorgten das gesamte Spiel über auf der wie üblich hübsch geschmückten, aber heute auch völlig gefüllten einzigen Tribüne für sehr gute Stimmung, ganz wie es der Rahmen der Partie erforderte.

 

Zudem hatten die Gäste einige Fans mitgebracht und auch von dort gab es gelegentlich Gesänge und Rauch und man konnte sich schön bepöbeln, wobei alles in harmlosen Rahmen verlief. (Gewiss hat sich nach dem Spiel die Polizei auf die Schulter geklopft, angesichts des aufgegangen Konzepts, unabhängig davon, dass in der Vorwoche auch bei Konzeptlosigkeit und gefühlter Nichtpräsenz alles friedlich geblieben war, obwohl es sich da um ein stadtinternes Duell gehandelt hatte.)

 

Wie auch immer, an diesem Tag war vor allem auf dem Platz wichtig. Dort standen sich zwei Teams auf Augenhöhe gegenüber, die sich ein umkämpftes, rassiges Spiel lieferten und den Nachweis erbrachten, dass sie zurecht diejenigen waren, die um den Titel kämpften.

 

Atlético ging als Tabellenführer ins Spiel, hatte dabei zuvor nur eine einzige Partie verloren und lediglich drei Gegentore kassiert, zwei davon ausgerechnet beim Clásico-Heimspiel gegen Sportivo, wo es auch zwei der drei Gegentore gesetzt hatte. Mit 18 Punkten aus sieben Spielen hatte n die Gäste zwei Zähler Vorsprung auf Independiente, folglich würde ihnen ein Unentschieden zum Titelgewinn reichen.

 

Der Druck lag also bei Independiente, das sich zuvor ebenfalls lediglich einmal geschlagen gegeben haben musste (just am selben Spieltag, als auch Atlético verlor), allerdings beim Auswärtsspiel in Gobernador Gregores gegen Huracan bei einem dramatischen 3:3 eben das eine Unentschieden hatte hinnehmen müssen, das die Differenz ergab. Immerhin beendeten sie die Clausura mit zwei Heimspielen in Folge, während Atlético zweimal in Folge auswärts ran musste. Eine für Außenstehende möglicherweise unerklärliche Spielplanung, die sich zum Teil jedoch auch aus den Planungen zu den Ansetzungen der Jungendteams und den damit verbundenen Reisestrapazen der Vereinen ergab.

 

Gerade in einer Liga, in der die Plätze der einzelnen Vereine sich nicht nur zum Teil deutlich in den Maßen, sondern auch in Sachen Belag unterscheiden, (so gibt es Felder auf Sand, Natur- und Kunstrasen) ist ein Heimvorteil nicht zu unterschätzen. Doch nicht allein daran lag es letztlich, dass sich Independiente in den 90 Minuten einen Feldvorteil erspielen und diesen auch in ein unspektakuläres, aber völlig verdientes 2:0 ummünzen konnte. Die Gastgeber erwiesen sich einfach entschlossener, hungriger, zielstrebiger und als Mannschaft in allen Reihen geschlossener. Atlético zeigte zwar seine spielerisch vorhandenes Potential, aber eben nicht die gleich mannschaftliche Ge- und Entschlossenheit, die an diesem Tag entscheidend waren.

 

Independiente durfte also am Ende jubeln und die sechste Meisterschaft feiern. Dies taten dann die Fans um La 77 inklusive Mannschaft auch noch lange in die Nacht hinein. Nach einem Autokorso sammelte man sich am Fahnenmast auf der breiten Avenida San Martin, wo eine große schwarz-rote Flagge flugs die argentinische ersetzte. Dort wurde gesungen und getrommelt, bis sich mit der einsetzenden Nacht und Kälte die Feierlichkeiten allmählich auf die Bars verteilte.

 

Herzlichen Glückwunsch Independiente aus Puerto San Julián!

 

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Independiente 2:0 Atlético (PSC), Estadio Juan Panópulos, Puerto San Julián (Provincia de Santa Cruz), Sonntag, 20.05.2018, 15:00, 9. Spltg. Apertura 2018, Liga de Fútbol Centro de Santa Cruz - Independiente Campeón!

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