14-Jähriger im Koma nach Attacke aus dem Hinterhalt

04.02.2010 - Bus mit Newell's-Fans beschossen

Der argentinische Fußball wurde erneut von Gewalt erschüttert. Schauplatz war dieses Mal Rosario. Dort wurden am Donnerstag gegen 4:00Uhr früh aus einem Hinterhalt Busse mit Newell's Fans beschossen, die...

von Christian Piarowski

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Der argentinische Fußball wurde erneut von Gewalt erschüttert. Schauplatz war dieses Mal Rosario. Dort wurden am Donnerstag gegen 4:00Uhr früh aus einem Hinterhalt Busse mit Newell's-Fans beschossen, die sich auf der Rückreise vom Spiel bei Huracan befanden. Dabei wurden drei Personen verletzt. Ein 42-Jähriger mit einer Gesichtsverletzung sowie ein 28-Jähriger mit einem Bauchschuss konnten nach kurzer Behandlung bereits wenige Stunden nach dem Vorfall das Krankenhaus verlassen. Für einen 14-Jährigen kommt dagen scheinbar jegliche Hilfe zu spät. Den Jungen trafen drei Kugeln im Kopf und eine im Rücken, er liegt derzeit im Koma. Aufgrund eines Missverständnises wurde das Opfer am Donnerstagabend in den Medien bereits für tot erklärt. Die behandelten Ärzte widersprachen zwar dieser Meldung, haben aber nur wenig Hoffnung, ihn retten zu können.

 

Über die Hintergründe sowie den genauen Hergang der Tat herrscht bislang Unklarheit. Nach Informationen des Diario Ole und der Tageszeitung "La Capital" soll zunächst ein Motorradfahrer die Fahrzeuge verfolgt und mit Nägeln oder Schüssen die Reifen eines Busses zum Platzen gebracht haben. Als dieser daraufhin anhalten musste, begann ein etwa 10-minütiges Gefecht. Etwa 12 bis 15 Männer sollen es gewesen sein, die der Kolonne aufgelauert und über 200 Schüsse auf die fünf Fahrzeuge abgaben. Zeugen gaben an, Salven wie von einem Maschinengewehr gehört zu haben. Der Fahrer fuhr anschließend trotz der kaputten Reifen weiter und stellte das Gefährt in einem anderen Viertel ab.

 

Die Polizei hatte bis zum Donnerstagabend lediglich einen der Fahrer vernehmen können. Seinen aussagen zufolge, sei in den attackierten  Fahrzeugen die barra brava von Newell's unterwegs gewesen sein, die ihn als Transporter angeheuert habe. In einem Gefährt der Kolonne haben sich zudem die Banner und Fahnen befunden, ein wichtiges Beutegut. Im Inneren des beschossenen Busses fanden die Beamten Patronenhülsen, weshalb sie davon ausgehen, dass das Feuer erwidert wurde.

 

Die Polizei schließt nicht aus, dass es sich bei der Tat um einen Streit zwischen Newell's alten Barra Brava-Führern und deren Nachfolgern handelt. Das Viertel "Las Flores", in dem die Tat stattfand, soll sich in den Händen des Ex-Barra-Führers Roberto "Pimpi" Caminos befinden. Anderen Spekulationen zufolge handelt es sich bei den Angreifern um eine in "Las Flores" berüchtigte Gang, die früher mit "Pimpi" kooperiert hat, die sich aber nach dessen Ende als Barra-Capo von ihm distanziert habe und nun versuche, die neuen Anführer zu erpressen. Offenbar haben die Angreifer genau gewusst, welche Fahrzeuge sie angreifen mussten. Zuvor hatten der Mannschaftsbus und verschiedene Fahrzeuge unbehelligt die Zone am südlichen Stadtrand passiert.

 

Der Verein drückte derweil sein Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige aus und gab an, mit den Vorfällen nicht zu tun haben.