Nachhilfe in Mythologie: Fénix - Atlas

06.05.2012 - Vor Ort in der Primera D (5.Liga)

Freunde und Kenner der Mythologie, die anzweifeln, dass ein Aufeinandertreffen von Phönix und Atlas überhaupt möglich wäre, sollten folgende Tatsache berücksichtigen: In Argentinien ist alles möglich.

von Christian Piarowski

  • Text
  • Fotos
  • Ähnliches
  • Karte

Freunde und Kenner der Mythologie, die anzweifeln, dass ein Aufeinandertreffen von Phönix und Atlas überhaupt jemals möglich wäre, sollten schlicht folgende einfache Tatsache berücksichtigen: In Argentinien ist alles möglich.

 

Ganz besonders im stets auf's Neue faszinierende Anekdoten lieferndem Ascenso. Da wäre beispielsweise jene Geschichte von den dubiosen Anstosszeiten, die der Fußball der unteren Ligen derzeit dank AFA und Coprosede erleiden muss. Morgens um 11Uhr? Klar. Montag um 14:00Uhr. Warum nicht? Das möglicherweise für den Aufstieg entscheidende Spiel an einem Freitagnachmittag? Aber sicher doch! Alles ist möglich, also auch ein Spitzenspiel der 5. Liga an einem Freitag um 15:30 Uhr, damit sich die Arbeitgeber in Pilar mit quengelnden Angestellten plagen dürfen. Mit einem Sieg und bei einer Niederlage des erst am Samstag antretenden Argentinos de Quilmes konnte Fénix nämlich die Rückkehr in die Primera C klar machen.

 

Also waren die Erwartungen und Vorfreude groß in Pilar, einem Vorort im Norden der Hauptstadt, der keine Erwähnung findet in den Reiseführern. Das hat auch seinen Grund, denn mit der Aussage, der Ort hätte mal bessere Zeiten erlebt, würde man sich vermutlich vertun. Davon ist nämlich nicht viel zu sehen, es ist aber auch nicht so, dass man dort keinen netten Nachmittag verbringen kann. Etwa mit Pizza libre, Bier und Fußball. Dafür gibts am Stadtrand das für einen Fünftligisten beachtliche Stadion Carlos Barraza, das leicht zu Fuß vom Zentrum und noch schneller von der Bahnstation aus zu erreichen ist (ca. 1:30h Fahrt von Retiro mit der Linie San Martín).

 

Die Haupttribüne war trotz der unsäglichen Anstosszeit gut gefüllt und die Vorfreude und Anspannung war deutlich zu spüren. Zum Anpfiff und die ersten 20 Minuten blieb es aber relativ ruhig im Stadion, es war merkwürdig eine Partie völlig ohne Gesänge verfolgen zu können. Lediglich eine Gruppe junger und etwas älterer Damen machte Rabatz, kreischte lautstark bei jeder Aktion und schickte übelste Beleidigungen an die Gästspieler, die man so selbst von den härtesten Zaunrüpeln nur selten zu hören bekommt. Die kleine Barra dagegen hatte irgendwelche Probleme mit der Polizei und durfte erst spät ins Stadion zurück. Zurück, denn ihr Platz auf der Gegengerade war bereits lange vor Beginn der Partie geschmückt. Ab Minute 20 und mit der Barra im Stadion dann endlich Gesänge, die mit dem Spielverlauf natürlich euphorischer wurden und auch die Haupttribüne des Öfteren mit einstimmen ließ.

 

Der Spielverlauf ist schnell zusammengefasst. Fenix zeigte die versiertere Spielanlage aber auch Nervosität, weshalb die ein oder andere gute Gelegenheit versemmelt wurde. Riquelme sorgte nach einem sehenswerten Spielzug für das Tor des Tages und den verdienten Sieg des kommenden Meisters. Die Gäste zeigten sich bemüht, aber auch etwas einfallslos und mitunter übertrieben hart in den Zweikämpfen. Der Frust saß wohl noch tief über das verlorene Heimspiel am Spieltag zuvor, mit dem das Aus im Rennen um den direkten Aufstieg besiegelt worden war.

 

Nach Abpfiff herrschte ausgelassene Stimmung unter den Fenix-Anhängern, denn allen war klar, dass 2 Spieltage vor Schluss die Miesterschaft und somit der direkte Aufstieg praktisch sicher ist. Die Spieler jedenfalls jubelten lauthals und noch lange in der Kabine. Da am nächsten Tag Argentinos de Quilmes daheim nicht über ein Unentschieden hinaus kaum, geht Fenix mit sechs Punkten Vorsprung in die letzten beiden Spielrunden. Atlas (3.) und Argentinos (2.) werden zusammen mit den Teams bis Platz 9 nach der regulären Saison in einer Aufstiegsrunde untereinander den zweiten Aufsteiger ausspielen.