Liga-Alltag: Defensores - Unión

24.03.2019 - Offizielle Lokalliga Río Gallegos

Sonntagsspiel zwischen Defensores del Carmen und Unión Santacruceña. Fotos + Bericht

von Christian Piarowski

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Am diesem sonnigen Spätsommersonntag trafen am 1. Spieltag der Saison 2019 der Liga de Fútbol Sur de Santa Cruz die Teams von Defensores del Carmen und Unión Santacruceña im Estadio "Nido de las Aguilas" von Río Gallegos aufeinander. Davon dürften nur wenige Fußballinteressierte in Argentinien Notiz genommen haben. Selbst in Río Gallegos nicht.

 

Dort hatten sich am Samstag die großen lokalen Vereine im Torneo Federal Regional Amateur teils gegenseitig herausgefordert. Aber auch generell erwecken die Spiele der offiziellen Lokalliga, das heißt eben jener Liga, die Teil des argentinischen Fußballverbandes ist, nur relativ wenig Zuschauerinteresse in der Stadt. Zum einen sorgen dafür die klimatischen Verhältnisse im extremen Süden, wo es bei Wind und Kälte nicht immer angenehm ist, ein Spiel draußen zu genießen. Zwar kann man, außer bei Ferro, auch mit den Autos in die Stadien, doch fällt dann eine bestimmte Eigenheit weg, die den Stadionbesuch auf Amateurebene für nicht wenige Argentinier zum Erlebnis macht: nebeneinander stehen oder sitzen und über Gott und die Welt, über Fußball und mitunter auch über die gerade spielenden Teams zu schnacken. Immerhin lässt sich dann bei Toren oder Schirientscheidungen entsprechend mehr oder weniger energisch hupen.

 

Doch das patagonische Wetter ist nicht der einzige Grund für das mangelnde Zuschauerinteresse in Rio Gallegos Offizieller, zum Teil kommt die Konkurrenz aus der eigenen Stadt. In der unabhängigen Freizeitliga, in der sich zahlreiche Teams tummeln und deren Infrastruktur nicht schlechter ist als jene der offiziellen Liga, kommen jedes Wochenende deutlich mehr Zuschauer. Doch dazu mehr im nächsten Spielbericht. Ein dritter nicht zu vernachlässigender Punkt ist der, dass die Abteilung Río Gallegos der Liga Sur de Santa Cruz gerade einmal sechs (6) Teams vereint. Dadurch wiederholen sich doch recht häufig die Spielansetzungen, was nicht nur für die Zuschauer oder etwaige Fans eine gewisse Langeweile mit sich bringt, sondern auch für die Spieler, sowohl der Männer- als auch, und vielleicht noch viel mehr, für die Nachwuchsteams.

Immer gegen die gleichen Gesichter, und am Ende gewinnt den Titel wie zuletzt fast immer der ambitionierte Boxing Club. Das ist auf die Dauer für die meisten nichts, zumal die Meisterschaft gerne frühzeitig entschieden ist und es dann nur noch um die Brotkrumen, wie eine eventuelle Teilnahme an einem Federal-Turnier geht. Und auch dies ist mit dem neuen System der Federal-Liga noch schwieriger geworden.

 

In der unabhängigen Liga Barrial mit ihren vier Ligen dagegen gibt es neben der Meisterschaft auch Auf- und Abstiegskampf. Unter anderem auch deswegen entscheiden sich nicht wenige Spieler lieber für die von der Gewerkschaft privater Ölärbeiter geförderten Freizeitliga, vor allem jene Kicker, die nicht ambitioniert oder talentiert genug sind, irgendwann mal die Aussicht auf die Teilnahme an einem landesweiten Turnier zu haben. Das führt mitunter dazu, dass einige Vereine der offiziellen Liga am Wochenende gar nicht genug Spieler zusammen bekommen. So standen auch an diesem Tag in den Reihen beider Teams zahlreiche Spieler, die noch in den Reserveteams, teil gar der U-18 hätten spielen können.

 

Dementsprechend gestaltete sich das anwesende Publikum. Auch wenn Unión eine kleine treue Fangemeinde hat, war an diesem Tag entspannte Ruhe um den Gallegos-typischen Cage. Nicht einmal Lappen hingen am Zaun. Knapp 20 Autos standen um das Feld herum, darin teils gelangweilt mit dem Handy spielende Mütter und Spielerfrauen. Dazu saßen auf der kleinen Metall-Tribüne ein paar Jungs, teils Freunde, teils Spieler aus den Jugendabteilungen des Vereins. Eine etwaige so genannte Fanszene war nicht auszumachen. Und so ist, von wenigen Zwischenrufen abgesehen, auch nicht viel über die Stimmung zu berichten.

 

Es gab Unterhaltungen über das Talent einiger Spieler und darüber wie dasselbe Stadion, das „Adlernest“, vor einigen Jahren fast aus den Nähten zu platzen drohte, als der von einem der damaligen Regierung nahe stehendem Geschäftsmann geförderte Verein Boca de Rio Gallegos um den Aufstieg ins damalige Argentino A (landesweite 3. Liga) spielte und einige eiligst aufgebaute Tribünen überbordeten. Doch der heutige Zweitligist und Traditionsverein Gimnasia aus Mendoza erwies sich als eine Nummer zu groß. Boca hat mittlerweile einen eignen Cage, die Regierung, das Ligasystem und die Zeiten haben sich geändert, der Geschäftsmann sitzt derzeit im Knast und so sind auch nicht mehr alle Tribünen von damals vorhanden. Sie werden auch nicht gebraucht. Auch der Grillstand bleibt mittlerweile ungenutzt. Dafür war der Eintritt mit einem Euro eher unerheblich.

 

Auf dem älteren, aber gut gepflegten Kunstrasen vergeudeten die Mannschaften über all das keinen einzigen Gedanken. Es wurde Fußball gespielt und dies, wie in den Lokalligen üblich, mit nur einer taktischen Ausrichtung: bei Ballbesitz wird der Weg zum Tor gesucht. Das gelang den technisch beschlageneren Gastgebern deutlich besser und schnell führten sie mit 2:0. Erst ein Elfmeter und ein Platzverweis für Defensores brachte die Gäste wieder zurück. Es ging mit 2:1 in die Kabinen.

Im zweiten Durchgang waren die Spielanteile ausgeglichen. Die dezimierten Gastgeber versuchten logischerweise, das Spielergebnis zu halten und den Gästen fiel nicht so wirklich was ein, beziehungsweise fehlten ihnen die Mittel. Ein konsequent zu Ende gespielter Gegenstoß brachte dann auch die erlösende Entscheidung zum verdienten 3:1 Endstand.

 

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Defensores del Carmen 3:1 Unión Santacruceña, Estadio "Nido de las Aguilas", Río Gallegos (Prov. de Santa Cruz), Sonntag, 24.03.2019, 16:00, 1. Spltg., Hinrunde, Torneo Oficial 2019, Liga de Fútbol Sur de Santa Cruz, Filial Río Gallegos

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