Kein Glanz vergangener Zeiten: Das Clásico von Arrecifes

03.10.2012 - Vor Ort in der Liga de Fútbol de Arrecifes

Im kleinen Arrecifes gibt es einen Verein, der mal fast mit den ganz Großen mitgespielt hätte - bevor er eine unvergleichliche Negativerie hinlegte: Das Clásico Almirante Brown - Huracan und mehr.

von Christian Piarowski

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Arrecifes liegt drei Busstunden nordwestlich von CABA mitten in der Pampa der Provinz Buenos Aires. Viel zu sehen gibt es hier nicht, abgesehen von ein paar Ruinen eines alten Dammes etwas außerhalb der Stadt. Dafür lässt es sich aber bestens in der weitläufigen Parkanlage am Ufer des gleichnamigen schmalen Flusses entspannen. Dort im Balneario gibt es alles, was man dafür so braucht: Grillstände, Schatten spendende Bäume, Badestellen und die wohl beste und sauberste öffentliche Toilettenanlage Argentiniens. Nur Ruhe nach deutscher Definition hat man da sonntags eher weniger, denn in unmittelbarer Nähe liegt die hiesige Autorennbahn. Dort ist regelmäßig was los, denn die Kleinstadt mit ihren 25.000 Einwohnern gilt als Hochburg des Automotorsports.

 

Fußball gibt es natürlich auch; gleich neben der Autorennbahn liegt das kleine Stadion von Obras Sanitarias. 1953 gegründet, gehört Obras zu den jüngeren Vereine der Stadt, die zuletzt aufgrund solider Arbeit den traditionsreichen Vereinen der Stadt die Vorherrschaft streitig gemacht haben. Pablo Zabaleta lernte hier das Fussballspielen. (Ein paar Fotos vom Spiel Santa Lina 4:1 San Francisco in diesem Stadion gibt es in der Galerie.) Die beiden Tradionsvereine aus Arrecifes sind jedoch Almirante Brown und Huracan.

 

Almirante Brown - Bewegte Vereinshistorie

Brown wurde am 14. Oktober 1917 gegründet. Die Vereinsfarben Grün-Schwarz gehen auf die beiden Gründungsväter Jose Ryan und Carlos Stegmann zurück, die jeweils irischer und deutscher Abstammung waren und die Vereinsfarben entsprechend der Landesflaggen ihrer Heimat auswählten. Brown war der erste Verein, der in Arrecifes Fussball praktizierte und rühmt sich auch, die erste Stadtmeisterschaft gewonnen zu haben. Nicht allein deswegen gilt der Verein als der erfolgreichste der Stadt. Immerhin spielte Brown von 1997 bis 2003 sogar in der Nacional B, der 2. Liga. Der ehrgeizige Geschäftsmann Luis Enrique Menéndez hatte 1993 das Amt des Vereinspräsidentens übernommen und leitete ansehnliche Geldbeträge in den Verein. Brown gewann 1996 zusammen mit Mataderos de Necochea das Torneo Argentino B, und nur ein Jahr später gelang über das Argentino A der Aufstieg in die Nacional B.

 

 

Dort hielt schlug sich der Verein recht ansehnlich, kam sogar einmal dem eigentlichen Ziel von Menéndez nahe: dem Aufstieg in die 1. Liga. In der Saison 2000/01, als die Nacional B noch in 2 Staffeln unterteilt in Metropolregion und Interior ausgetragen wurde, erreichte Brown die Aufstiegsrunde, das Reducido. Dort wurde Arsenal de Sarandí ausgeschaltet, doch gegen San Martín de Mendoza war Endstation. Wenig später zog sich Menéndez zurück, und ohne die finanzielle Unterstützung und in einer Zeit, als Argentinien mit einer dramatischen Finanzkrise zu kämpfen hatte, ging es für Brown bald bergab. Zwar hielt sich der Verein noch bis 2003 in der 2. Liga, rauschte dann aber bis in die Liga des Lokalverbandes hinunter. Auf dem Weg dorthin blieb Brown 2 Jahre sieglos. Im Argentino A holte man nicht einmal ein Pünktchen, kassierte dafür aber reichlich haushohe Klatschen. Im Argentino B gab es lediglich 2 Unentschieden und ebenfalls zahlreiche schmachvolle Niederlagen. Die sagenhafte Bilanz des doppelten Abstiegs in 2 Jahren: 2 Unentschieden, 35 Niederlagen, über 1000 Gegentore und 3 Mal trat man gar nicht erst an.

 

Seitdem fristet der Klub sein Dasein in der Liga de fútbol de Arrecifes, wo immerhin 2007 wieder ein Titelgewinn gelang und einige, wenn auch wenige glückliche Teilnahmen am Torneo Argentino C herausgespielt werden konnten. Nach Aussagen ehemaliger Spieler, die Teil jener historischen Zeit waren, ist der rasante Abstieg natürlich bedauerlich, aber nicht allein dem Rückzug des finanzkräftigen Unternehmens hinter Menendez geschuldet gewesen. Insgesamt habe die Stadt die Bedeutung nicht wert zu schätzen gewusst, der Automotorsport stand bereits damals eindeutig im Vordergrund und mit ihm auch die Förderung seitens der Stadt.

 

Man versicherte mir aber, dass normalerweise zu einem Cláscio dennoch mehr Zuschauer kommen als die, inklusive Zaunkiebitze, knapp 250 Zuschauer an jenem Sonntag - an dem zeitgleich Obras eine wichtige Partie hatte, und viele eher dort zuguckten. Außerdem gab es verschiedene Rennen auf der Autorennbahn. Brown hatte eine kleine Barra namens "Los de siempre", die, nach eigenen Aussagen, einzige der Stadt - ein paar in die Tage gekommende Jungs, die das Banner alter Zeiten hochhalten. Gesänge gab es nur sporadisch, wenn der Spielverlauf für Emotionen auf den Rängen sorgte. Fans von Huracan waren optisch nicht auszumachen, dafür aber am Fluchen bei nicht zufriedenstellenden Schirientscheidungen. Insgesamt eine friedliche, nette Atmosphäre. Phasenweise ließ aber eine spürbare Anspannung auf den Rängen während der hart umgekämpften Partie dennoch erkennen, dass es sich um ein Clásico handelte.

 

Vielleicht nicht das ganz große Derby-Bonbon, aber das Estadio Municipal ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die alten Tribünen, sind zwar leider gesperrt, doch sie und die umliegende Industrieanlage sowie die alte Betontribüne samt beeindruckender Außenfassade sind sehr sehenswert und haben einen besonderen Reiz.

 

Zum Blog von "Los de siempre"

 

Almirante Brown 1:0 Huracan, Estadio Municipal, Arrecifes (Provincia de Buenos Aires), Sonntag, 01.10.2012, 16:30, 5. Spltg. Clausura 2012, Liga de Fútbol de Arrecifes - Clásico histórico de Arrecifes, Zuschauer: 250

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Santa Lina 4:1 San Francisco, Estadio Obdulio Radrizzani, Arrecifes (Provincia de Buenos Aires), Sonntag, 01.10.2012, 14:30, 5. Spltg. Clausura 2012, Liga de Fútbol de Arrecifes, Zuschauer: 150