Straßenschlachten vor den Sonntagsspielen
16.03.2009 - Primera A
Am vergangenen Sonntag kam es erneut zu schweren Krawallen im argentinischen Fußball. Rivalisierende Lager der barra brava Bocas bekämpften sich vor dem Spiel der Xeneizes auf offener Straße, wobei es zu Schusswechseln kam. Eine 79-jährige Frau, die...
von Christian Piarowski
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Am vergangenen Sonntag kam es erneut zu schweren Krawallen im argentinischen Fußball. Rivalisierende Lager der barra brava Bocas bekämpften sich vor dem Spiel der Xeneizes (gegen Argentinos Juniors) auf offener Straße, wobei es zu Schusswechseln kam. Eine 79-jährige Frau, die in einem McDonalds zusammen mit ihrer Tochter speiste, wurde dabei von einer Kugel im Bein getroffen. Da die Kugel allerdings weder Arterien noch Nerven verletzte, schwebt sie nicht in Lebensgefahr. Dies tut dagegen José Luis Rinaldi (55 Jahre), der Halbbruder von "Uruguayo" Richard, dem Anführer einer der beiden rivalisierenden Gruppierungen.
Verschiedenen Versionen zufolge, wartete "Uruguay" Richard mit 10 Gefolgsleuten im McDonalds an der Straßenkreuzung Almirante Brown und Martín García (nahe Parque Lezama, La Boca) auf einen Bus mit weiteren barras. Zusammen wollten sie sich dann auf den Weg in die Bombonera machen. Mauro Martín, der aktuelle Anführer von "La Doce", der barra brava Bocas, erfuhr davon und machte sich mit etwa 80 Mann auf, um dies zu verhindern. Als sie am McDonalds eintrafen, eröffneten sie das Feuer. Martín hatte "Uruguayo" Richard im Juli 2008 aus der barra geworfen. Zuvor hatten sie gemeinsam die von Rafa Di Zeo, dem inhaftierten ehemaligen barra-Führer, für die Dauer seines Gefängnisaufenthaltes eingesetzten Nachfolger, ausgeschaltet und anschließend zusammen La Doce angeführt. Doch Mitte 2008 erfolgte der Bruch zwischen beiden. Seitdem kam es bereits zweimal zu Auseinandersetzungen, bei denen bisher stets die Gruppe um Martín gewann. Der Kampf am Sonntag markiert jedoch einen neuen Level der Gewalt. Nachdem Schusswechsel, setzte sich der Kampf im Parque Lezama fort, wo es wüste Schlägereien und Verfolgungsjagden gab. Wie durch ein Wunder blieb der Bruder des "Uruguayo" das einzige schwerwiegende Opfer. Es gab zudem weitere sieben Verletzte, davon alle aus der Gruppe des "Uruguayo". Die Polizei versuchte einzugreifen, war aber weitestgehend hilflos. Es kam zu sechs Festnahmen, von denen am Montag bereits wieder alle freigelassen waren.
Mauro Martín bestreitet nun über seinen Anwalt, vor Ort gewesen zu sein. Sein Gegner rief dagegen am Montag vor laufenden Kameras nach Rache. Die "Sache" solle 300 km entfernt geklärt werden, auf offenem Feld, wo es kein Unbeteiligten gibt. Am Mittwoch spielt Boca bei Guaraní aus Asuncion. In Paraguay fürchtet man bereits, Schauplatz des Bandenkrieges zu werden.
Doch dies war nicht das einzige Kapitel der Gewalt am Wochenende. Barras der Argentinos Juniors und von Racing Club trafen aufeinander, als sie auf dem Weg zu ihren jeweiligen Spielen waren. (Argentinos in der Bombonera und Racing in Avellaneda). Es kam zu Steinwürfen und Handgemengen. Die Polizei schritt mit Gummigeschossen ein und nahm 114 Personen fest.
In der 3. Liga (Primera B Metro) musste das Derby zwischen Deportivo Merlo und Deportivo Morón bereits nach 12. Minuten abgebrochen werden. Die zwei rivalisierenden Gruppierungen der barra brava von Deportivo Merlo hatten begonnen, sich untereinander zu bekämpfen, weshalb der Schiedsrichter die Sicherheit für die Spieler als nicht gewährleistet ansah. Gästefans gab es keine, da in den unteren Ligen im Raum Buenos Aires aus Sicherheitsgründen weiterhin keine Gästefans zu den Spielen dürfen.



